Telemann in Norddeutschland

Im Porträt: Die Gesellschaft für Alte Musik Schleswig Holstein e.V. - GAM-SH

Julian Mallek, Eckhart Kuper, Micaela Storch, Britta Gemmeker, Johanna Bartz, Peter Uehling, Annika Yildiz, Susanne Horn, Susanne Hartig, Henrike Hageboeke und Thomas Rink. – (c) privat Foto: Dr. Nils-Lennart Saß, 2014

Die Gesellschaft für Alte Musik Schleswig-Holstein wurde 1985 von Lothar Stöbel, damals Leiter der Musikschule in Rendsburg, gegründet und bis zu seinem Tod ihm Jahr 2005 geleitet. Seitdem ist der Bibliothekar, Musikwissenschaftler und Fagottist Thomas Rink 1. Vorsitzender der Gesellschaft, 2. Vorsitzende ist die Architektin Brigitte Wolff.

Das Jahr 2015 stand zur Feier seines 350. Geburtstages im Zeichen des Nordfriesischen Meisters Nicolaus Bruhns. Zu diesem Anlass wurde u.a. mit dem Oberstufenchor des "Theodor-Storm-Gymnasiums" Konzerte in Bruhns' Geburtsort Schwabstedt und seiner späteren Wirkungsstätte Husum gegeben.

Für 2017 liegt der Schwerpunkt auf Kompositionen Georg Philipp Telemanns. Bei der Beschäftigung mit dem Komponisten, dessen Todestag sich zum 250. Mal jährt, und seinem Umfeld ist festzustellen, dass er durchaus Verbindungen in den Norden, also in das heutige Schleswig-Holstein hatte: Telemanns Tochter Maria Wilhelmina Eleonora wohnte bei Glückstadt, seine Tochter Anna Clara war auf der Insel Föhr verheiratet und sein Sohn Andreas wirkte als Pastor in Plön. Telemann-Schüler lebten und arbeiteten in Husum (Michael Ernst von Essen), Lübeck (Kaspar Ruetz) und Wilster (Christian Urban Traumann).

Dementsprechend wird in Städten wie Husum, Kiel, Wilster und kleineren Gemeinden mit Konzerten an den bedeutenden Komponisten mit 11 Programmen in mehr als 23 Konzerten erinnert. Einladungen führen die Musiker um Thomas Rink aber auch nach Berlin, Bochum, Hamburg und Kassel. Neben vielen Konzerten mit Kammermusik werden am Ende des Kirchenjahres, also am 25. und 26. November 2017, Werke von Telemanns Schwiegervater Daniel Eberlin, von Jean Baptiste Lully und von Agostino Steffani erklingen, zusammen mit dem „De profundis“ von Nicolaus Bruhns und
Telemanns früher Kantate „Ach wie nichtig, ach wie flüchtig“ TVWV 1:38.
Die Telemann-Konzerte in Schleswig-Holstein werden 2017 von der Kulturförderung des Landes dankenswerterweise großzügig unterstützt.
Weitere Infos: www.gam-sh.de

Fragen an den 1. Vorsitzenden Thomas Rink

Sie sind selbst ausführender Musiker. Was schätzen Sie persönlich an Georg Philipp Telemann?
Den schier unerschöpflichen Reichtum an musikalischen Einfällen, und er hat eben tolle Fagott-Stücke komponiert.

Sie wirken mit Ihrem Verein vor allem auch „in der Fläche“, bringen Konzerte in kleinere Gemeinden. Welche Bedeutung hat Ihre Vermittlung des kulturellen Erbes im Schleswig-Holstein von heute?
Es ist großartig in kleineren Kirchen aber auch in Scheunen oder Haubargen zu musizieren. Barockmusik ist ja eh sehr sprechend, mit ein bisschen Moderation oder mit ausgesuchten Texten schnell verständlich. Und wir haben hier in Schleswig-Holstein mehr als nur das Festival zu bieten.

Sie arbeiten mit Musikern zusammen, die auf historischen Instrumenten spielen. Welche Partner stehen Ihnen hierfür zur Seite?
Neben Susanne Horn, die alle Gambentypen bedient, habe ich das große Glück, mit Peter Uehling und Eckhart Kuper zwei wunderbare Cembalisten zur Seite zu haben. Gero Parmentier ist ein höchst umsichtiger Lautenist und ein Experte in Sachen Harmonie. Neben meiner Lieblingscellistin Susanne Hartig sind mitunter der Leiter des Göttinger Barockorchesters, in dem ich zehn Jahre Mitglied war, Henning Vater, und der weltreisende
niederländische Traversflötist Wilbert Hazelzet dabei. Das Netzwerk in der Alten Musik funktioniert prächtig, viele von uns sind nicht nur Kollegen, sondern auch gute Freunde. Und ich darf Maria Steurich nicht vergessen, deren Lesungen von Texten eine fantastische Bereicherung der musikalischen Beiträge sind. Hartig, Horn, Hazelzet und Kuper haben übrigens – ich sage das nicht ohne Stolz – bei meiner Hochzeit gespielt.

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