Wissenswertes

Stimmen

Prominente Künstlerpersönlichkeiten äußern sich zu ihrem ganz persönlichen Verhältnis zu Georg Philipp Telemann.

Paul Dombrecht
Michi Gaigg
Reinhard Goebel
Ludwig Güttler
Nikolaus Harnoncourt

Wolfgang Hirschmann
Felix Koch
Dorothee Oberlinger
Siegfried Pank
Burkhard Schmilgun

Peter Schreier
David Stern

Wolfgang Hirschmann (Musikwissenschaftler)

Erinnern Sie sich an Ihre erste Begegnung oder ein besonderes Erlebnis mit Telemanns Musik?
Meine ersten Begegnungen mit Telemanns Musik fallen in die Zeit meines Studiums an der Universität Erlangen bei Martin Ruhnke, dem bedeutenden Telemannforscher und meinem Doktorvater, seit Ende der 1970-er Jahre. Ich wurde sofort von seinem Enthusiasmus für diesen damals in der BRD noch völlig verkannten Komponisten eingenommen, und mein erster Blick in die damals bekannten Werke Telemanns gab diesem Enthusiasmus völlig recht: Was für ein großartiger Kosmos feinsinnigster Musik! Wesentlich erweitert wurde mein Horizont dann aber ab Mitte der 1980-er Jahre, als ich erstmals und dann mit großer Regelmäßigkeit das Magdeburger Telemann-Zentrum, die Telemann-Festtage und die damit verbundenen wissenschaftlichen Konferenzen besuchte. Hier konnte ich Gleichgesinnte treffen, die hinsichtlich der Erschließungdes Telemannschen OEuvres schon sehr viel weiter waren als der damalige Westen. Nach der Wende hat sich dann alles auf das Schönste zusammengefügt, und ich profitiere als Forscher, Musikhörer und ganz allgemein als denkender, fühlender Mensch bis heute von diesen Begegnungen.

Welche Komposition(en) Telemanns würden Sie mit auf die legendäre einsame Insel nehmen?
Ich denke, mit einigen hundert käme ich gut aus – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass ich auch ein paar andere Komponisten mit einschmuggeln dürfte …

Worüber würden Sie sich mit Telemann bei einem Glas Wein gern unterhalten wollen?
Da stellt sich die Frage: Wann durfte ich mich mit ihm unterhalten? Wenn es zu seiner Zeit wäre, dann würde mich vor allem interessieren, was er so alles gelesen, gehört, studiert hat – und ich würde mir ganz konkret einige Partituren von ihm (leihweise natürlich) erbitten, die uns heute fehlen (z.B. seine Opern „Sancio“, „Omphale“ und „Die verkehrte Welt“). So bepackt, würde ich zusehen, dass ich bald wieder in unsere Gegenwart käme. Wenn ich Telemann heute treffen konnte, würde ich ihn fragen wollen, was er denn zu all dem zu sagen hat, was inzwischen so über ihn geschrieben worden ist.

Was hat Telemann, was andere nicht haben?
Einen immens reichen und weiten musikalischen und intellektuellen Horizont, ein überaus feinsinniges Verständnis für Dichtung und Sprache, einen außerordentlichen Reichtum immer neuer Verbindungen zwischen unterschiedlichsten musikalischen Sphären, eine faszinierende Verbindung von bienséance und Expression.

[Quelle: Telemann aus Magdeburg. 50 Jahre betont. Programmheft der Magdeburger Telemann-Festtage, 9.-18. März 2012, S. 105.]